Volksblatt/Mainpost, 09.01.2004
Würzburg. „Es war eine anstrengende Zeit, aber auch eine sehr erfolgreiche“, resümiert Domkapellmeister Martin Berger seine ersten zwölf Monate in Würzburg. Er fühle sich wirklich wohl hier, meint er, und freut sich über die „vielen netten Menschen“.
Zufrieden ist der 31-
Dazu kommen die jungen Herren, zwei Vorchöre, die Kinder aus der neu eingerichteten musikalischen Früherziehung und dem Musikgarten. Summa summarum singen derzeit allein 233 Kinder am Dom.
Darauf kann der junge Musiker mit Recht stolz sein, hat sich die Zahl an Kindern damit doch innerhalb nur eines Jahres vervierfacht. Inklusive Kammerchor und Choralschola kann Berger nun auf gut 350 Sängerinnen und Sänger unter seiner Stabführung blicken.
Mit diesen Zuwachsraten ist die Würzburger Dommusik einsamer Spitzenreiter unter den deutschen Domen!
Natürlich kamen die neuen Sänger nicht ganz von allein. Berger arbeitete auch dafür, hielt beispielsweise wochenlang Chorproben in Grundschulklassen, um musikalisch interessierte Kinder anzusprechen. Vieles, was in der Dommusik gelinge, sei allerdings auch eine Teamfrage, betont er – „und ich habe hier ein sehr gutes Team!“
In den Chören versucht Berger den Kindern nun neben einer fundierten musikalischen Ausbildung auch Werte des christlichen Glaubens zu vermitteln, wie „Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit sowie fairen Umgang miteinander. Sehr streng sind wir auch mit Werten wie Pünktlichkeit, Regelmäßigkeit und Verlässlichkeit“, zählt der gebürtige Saarländer auf.
Der „Erfolg“ eines Kindes werde vor allem daran bemessen, wieweit es sich Mühe gebe, sich mit seinen menschlichen und musikalischen Mitteln in die Gemeinschaft einzubringen. „Wichtig ist uns dabei auch, dass wir versuchen, die Kinder individuell zu fördern, damit sie sich nicht nur als Gruppe, sondern auch als Einzelperson gemocht fühlen.“
Und den Kleinen scheint es zu gefallen: „Alles!“ meint die achtjährige Sabrina, gefragt, was ihr denn im Chor am meisten Spaß mache, und Corinna(sieben) schwärmt: „Bei uns in der Schule war so eine Probe, die war toll, und da habe ich einen Zettel gekriegt, und dann sind wir hingegangen und geblieben, weil es so schön ist!“
Für die Zukunft wünscht sich Martin Berger nun vor allem, dass der geplante Umbau des ehemaligen Diözesanarchivs für die Dommusik zügig vorankommt, „damit wir endlich Platz für unsere Kinder haben“. Sowie „manchmal mehr Verständnis, dass jeder Mensch auch einmal frei haben muss und nicht ständig im Dienst sein oder zur Verfügung stehen kann.“
Trotzdem ist der Musiker nach wie vor sehr glücklich, in Würzburg an einer der ersten Adressen der deutschen Kirchenmusik wirken zu dürfen. „Die Mitgestaltung der Liturgie wird vom Domkapitel sehr gefördert, auch wenn sie aufwändiger oder zeitgenössischer ist – dies ist sicherlich vorbildlich. Mit der Würzburger Dommusik, wie sie von meinen Vorgängern aufgebaut wurde, spielen wir ohne Zweifel in der kirchenmusikalischen Bundesliga.“