Würzburger Dommusik: Presseecho
Mainpost, 07.11.2005
Schwarz-Weiß in vielen Farben
Der Stummfilm im Dom
Und dann erlebte man in der hervorragend besuchten, abgedunkelten Kirche ein faszinierendes Ereignis: Carl Theodor Dreyers Stummfilm „La passion de Jeanne d'Arc“ aus dem Jahr 1927, untermalt oder besser: ausgemalt, erklärt, überhöht, verdichtet von einer Orgelimprovisation des Würzburger DOmorganisten Stefan Schmidt. Natürlich hat das Leben und Leiden der Jeanne d'Arc schon immer Dichter und Komponisten angeregt (Giselher Klebes Schiller-Oper oder Arthur Honeggers Vertonung der Dichtung von Paul Claudel, die vor einigen Jahren hinter dem Dom aufgeführt wurde) – aber die Art, in der Schmidt die ausdrucksvollen Großaufnahmen der Gesichter, der Typen im Schwarz-Weiß-Film charakterisierte, wie er die Handlung in Klänge umsetzte, waren nicht nur eine physische (immerhin 75 Minuten pausenloses Orgelspiel), sondern auch eine psychologische Meisterleistung.
Das Drehen des Folterrades
Seine Deutung machte aus diesem Schwarz-Weiß-Spektakel ein musikalisch-farbiges Ereignis. Stefan Schmidts Tonsprache war modern, tat aber nicht weh. Sie bediente sich leitmotivischer Strukturen, spielte mit den klnaglichen Mitteln der Domorgel aber wendete sie keineswegs verspilet um des Effekts willen an. Eine besonders eindrucksvolle Stelle war die dynamische Steigerung beim immer schnelleren Drehen des Folterrades, eine seiner schönstenEingebungen die Verwendung des Chorals „Christ ist erstanden“ im Nachspiel dieser ungewöhnlichen Oper ganz ohne Gesang. Lange verharrte das Publikum schweigend, ergriffen , begeistert von diesem mutigen, in jeder Hinsicht gelungenen Experiment, bis es Stefan Schmidt den verdienten, langen Beifall spendete.
Armin Rausche