Würzburger Dommusik: Presseecho

Mainpost, Oktober 2005

Ausgefüllt, erfüllt und erfühlt

Gelungenes „a cappella“-Konzert des Würzburger Domchores

Ein solches Spektrum will ausgefüllt, erfüllt und erfühlt sein. Das Rezept, mit dem der Domchor diese Herausforderung bewältigte, bestand aus choristischen Tugenden wie Präzision, Sprachverständlichkeit, Ausgewogenheit, Homogenität und Verzicht auf Manierismen.
Domkapellmeister Martin Berger setzt vor allem auf die Schönheit des Chorklangs. Das führt allerdings dazu, dass manches zu glatt, zu unemotional klingt. Natürlich begeistert ein zaberhaftes Pianissimo, ein in der Weite des Domes verhallendes Decrescendo, aber manchmal gewinnt man den Eindruck, dass Berger seinem Domchor einen dynamischen Drehzahlbegrenzer eingebaut hat, dass der Chor die dynamische Palette zwar nach unten faszinierend ausfüllt, aber nach obern in Richtung Kraftentfaltung noch viel mehr könnte und nicht darf.
Auf der anderen Seite ist diese „professionelle Naivität“, dieser Verzicht auf Schwülstigkeit dem geistlichen Gehalt des Programms angemessen, das mit einer Reihe von Raritäten aufwartet, zum Beispiel mit „Coenantibus illi“ von Michel Haller und „O vor omnes“ von Pablo Casals.
An der Orgel eingeleitet hatte DOmorganist Stefan SChmidt das Konzert mit Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge C-Dur. AUch seine Improvisation setzte auf klare Strukturen, interessante Klänge, aber nicht auf brutale Orgel-Tutti-Power.
Von Berthold Hummel erklang neben einer „Ave Maria“-Vertonung sein „In memoriam“ für Orgel und Schlagzeug. Bernd Kremling, ein Magier am Schlagzeug, und Stefan Schmidt demonstrierten die Farbigkeit, rhythmische Aufgeregtheit und meditative Versenkung dieses Werkes beeindruckend.
Zum Abschluss erklang die zur Einführung von Bischof Friedhelm Hofmann komponierte Motette „Ave crus spes unica“ von Rolf Rudin. Diese Werk, bei dem der Chor die „a cappella“ -Abstinenz verließ und von Orgel und Schlagzeug unterstützt wurde, zeigte noch einmal die Stimm- und Sprechkultur des Chores.

Armin Rausche