Würzburger Dommusik: Presseecho

Die Kitzinger, 28.12.2005

Erhebend musikalisches Weihnachtsgeschenk

Bachs „Weihnachtsoratorium“ im Dom: Strahlender Chorgesang und ein brillantes Barockorchester

Ein Chorkonzert in jedem Jahr am zweiten Weichnachtsfeiertag hat in der Würzburger Dommusik Tradition, gerne vom Publikum angenommen, was der wiederum starke Andrang bewiesen hat.
Strahender Chorklang in festlich erleuchteter Kirche ließ neben der völlig unkitschigen weihnachtlichen Krippen-Idylle in diesen Kantaten die Herzen höher schlagen. Ein herrlich befreiende Wiedergabe erfuhren die vier Teile des Oratoriums durch die frischen, geschmeidigen und hellen Stimmen der Würzburger Domsingknaben und die einen samtenen Untergrund ausbreitenden Männerstimmen unter der Leitung von Domkapellmeister Martin Berger.
Das Barockensemble am Würzburger Dom mit den dezenten strahenden Trompeten, die im Vergleich zu den modernen Ventiltrompeten den Chor – und Orchesterklang niht überdeckten, mit den beiden wunderschön fließenden Oboen d'amore, den weichen intonierenden Soloviolinen,mit der Basslinien untersteichenden Violone und dem Barockfagott, den dunkel timbrierten Wohllaut spendenden Hörnern, sie alle ergaben einen Gesamtklang, der sich mit dem Chor zu einer wohltuenden Einheit verband, ideal den barocken Vorstellungen eines lebendigen Musizierens entsprechend.
Dazu gesellten sich die reifen Stimmen in Ton und Gestaltung der Elisabeth Scholl (Sopran), des Matthias Lucht (Altus), des Andreas Post (Tenor) und des Wolf-Matthias Friedrich (Bass). Der Domkapellmeister ließ die Musik fließen, und kein Klangbrei breitete sich in der nicht ganz unproblematischen Akustik der Domkirche aus. Völlig entschlackt hörte man jede einzelne Linie im Chorgesang wie in den Instrumenten.
Spieltechnisch und artikulatorisch brillant gab sich das Barockorchester, hervorragend virtuose Instrumental – und Vokalsolisten verbreiteten bei überwiegend flotten Tempi einen jugendlich stürmischen Überschwang, der stets im Lot blieb, Weihnachtslob aus frohen Herzen und geschmierten Kehlen.
Der Evangelist vereinte stimmliche Schönheit mit erzählerischer Aussagekraft. Der Bassist stömte mit seiner wandelbaren Stimme eine wahre Größe des Ausdrucks von einnehmender Qualität aus. Das musikalisch-technisch hohe Niveau ermöglichte selbst in den koloraturreichen Arien (Tenor!) einen schlanken transparenten Klang, in frappierender Schwerelosigkeit den Raum füllend. Und die Stimme der Knaben meisterten solche Aufgaben erstaunlich mustergültig, in den Chorälen mit differenzierter klanglicher Vielfalt.
Sympathisch stellten sich die überwiegend rasch fließenden Tempi dar, die aber eine schlackenlose Eleganz garantierten. Langanhaltender Beifall für ein betörend besinnliches wie erhebend musikalisches Weihnachtsgeschenk.

N. N.