Mainpost/ Volksblatt, Dienstag, 14.11.2006
Im mit 1200 Besuchern vollbesetzten Würzburger Dom beginnt unter der Leitung von Domkapellmeister Martin Berger das „Paradisi Gloria“. In sonntäglicher Abendstunde erfüllen Musik, Mystik und Melancholie das Gotteshaus in einer beeindruckenden Kombination von Musik und Licht. Langsam tauchen die Gesichter der Sänger des Würzburger Domchors, der Herren der Domsingknaben und der Mädchenkantorei aus dem Dunkel auf. Sie haben sich beinahe unbemerkt vor dem Hauptaltar postiert.
Zuerst sind es die tiefen Streichertöne, die die Erhabenheit der kunstvoll angestrahlten Architektur unterstreichen, emporsteigen bis zum rot angestrahlten Auge Gottes, die anschwellen und das „Lux aeterna“ begleiten, den Eingangsgesang einer Folge von Hymnen und Sequenzen, zu denen der 1943 geborene Amerikaner Morten Lauridson 1994 die Musik schrieb.
Während die klar geführten Stimmen um ewige Ruhe flehen, sich dann jubelndem Lobgesang steigern, warme Cellostriche sich hervorheben, aus der Schlichtheit ein gewaltiges „Veni, Sancte Spiritus“ wächst und sich auf den Paukenschlag milchig goldfarbenes Licht zu diffusem Blau verändert, breitet sich Tröstlichkeit aus im Kirchenschiff. Bis der letzte Ton in Dunkelheit versunken ist.
Martin Berger dirigiert Sänger und Musiker mit großer Gelassenheit, jedoch kraftvoll und spannungsgeladen. Die sich fein ineinander fügenden Stimmen scheinen mit den granios komponierten Licht-
Während Maurice Duruflés „Trois danses pour Orchestre“ gerät die Lichtkunst in Bewegung, nehmen die Farbeeffekte den tänzerischen Rhythmus der Streicher und Bläser auf. Beinahe übermütig setzt sich der Lichtdesigner mit dem „Gloria“ von Francis Poulenc auseinander, jenem Stück Kirchenmusik, das bei der Erstaufführung wegen angeblicher Despektierlichkeit Skandale auslöste.
Berger akzentuiert die Stimmungswechsel, bringt den Chor zum Jubeln und zum frommen Gebet. Sopranistin Eeva Tenkanen tritt in Dialog mit Sängerinnen und Sängern. Sie erhebt ihre Stimme so gepflegt, so innig, so fromm, dass sich der Kiliansdom in eine lichtdurchflutete Stätte des Dankes, des Jubels und der Meditation verwandelt. Minutenlanger Beifall.