Würzburger Dommusik: Presseecho

Mainpost/Volksblatt, 28.12.2006

Entflammtes Hallelujah

Domkonzert in Würzburg

WÜRZBURG Händels Oratorium „Messiah“ erzählt die Lebens- und Leidensgeschichte des Erlösers. Domkapellmeister Martin Berger wählte für das Würzburger Domkonzert am zweiten Weihnachtsfeiertag jene Teile aus, die sich mit der Ankunft des Herrn befassen. Abgesehen vom schmetternd vorzutragenden „Hallelujah“ schlägt Händel in diesem Werk leisere und weichere Töne an, die dem kultivierten Gesang der Würzburger Domsingknaben samt Vokalsolisten zupass kamen. Der in englischer Sprache singende Chor wurde von einem Barockorchester begleitet. Die ausgedehnten Koloraturen bereiteten den Knaben- und Männerstimmen keinerlei Schwierigkeiten. Wie schwierig die Arien trotz ihrer melodischen Eingänglichkeit sind, durfte man an den Vokalsoli erleben, dabei überwanden die Sänger die Hürden der englischen Aussprache und die Spitzentöne mit Eleganz und Leuchtkraft. Alle sangen sorgfältig kontrolliert und klar artikuliert, was bei der Akustik im Dom nicht einfach ist. Im entflammten „Hallelujah“, bereichert durch die festliche Trompete des Engländers Will Wroth, vermieden die kleinen Sänger aufdringliche Pracht, fanden mit den Männerstimmen und dem stets durchsichtig und fein zeichnenden Orchester zu einer gediegenen Musizierweise, weit entfernt von der Händel bisweilen nachgesagten barocken Wucht. Das innere Gleichgewicht der Darbietung wurde durch die Solisten mitgetragen. Betörend schön sang Sopranistin Silke Evers die lyrischen Linien ihrer Arien, in subtiler Reinheit und mit unaufgesetzter innerer Anteilnahme trug Altus Patrick van Goethem seine Partien vor. Tenor Uwe Stickert und der charaktervolle Bass von Uwe Schenker-Primus, der für den erkrankten Raimund Nolte eingesprungen war, gestalteten mit schlichter Eindringlichkeit und dynamisch sinnvoll ihre Soli. Idyllisch hob Berger die pastoralen Stimmungen in der Hirtenmusik, der Pifa, hervor. Die klangliche Balance zwischen Chor und Orchester war perfekt. Erhabenheit, Größe und Zärtlichkeit hielten sich die Waage.

Klaus Linsenmeyer