Würzburger Dommusik: Presseecho

RNZ, 06.11.2007

Eindringliche und berührende Orgelklänge

Orgel-Improvisitation zum Stummfilm „La Passion de Jeanne d' Arc“ am Sonntag in der Kirche St. Alban in Hardheim

Mit seiner überzeugenden, spektakulär wirkenden und aufwühlenden Orgel-Improvisation zum Stummfilm „La Passion de Jeanne d' Arc“ „Der Leidensweg der Jeanne d' Arc“ von Carl Theodor Dreyer (Premiere im Jahr 1928) gelang dem Würzburger Domorganisten Stefan Schmidt beim Orgel-Kino am Sonntag in der Pfarrkirche St. Alban in Hardheim eine vollauf überzeugende und dem Filmgeschehen adäquate instrumentale Begleitung und Charakterisierung.

Die Besucher bekamen in dem Film die dramatische Entwicklung beim gekauften Prozess gegen Jeanne d' Arc optisch und akustisch unter die Haut gehend dargestellt. Sie erlebten in nachdenklich stimmender Form, wie unerbittliche, hasserfüllte, höhnische Theologen und Richter, von der Richtigkeit ihrer Meinung, Einstellung und Handlungsweise überzeugt, rücksichtslos und mit Mitteln aller Art das angestrebte Ziel erreichen.

Wie die filmische Darstellung des Schicksals der Jeanne d' Arc und die instrumentale Begleitung des Geschehens durch den Würzburger Domorganisten die Besucher in Bann gehalten hatte, wurde nach Ende des Films deutlich. Erst Minuten der Distanz zum Gebotenen fanden die Besucher zurück in die Gegenwart und den Mut, dem Organisten mit Beifall ihre Anerkennung für seine anspruchsvolle, zutiefst anrührende und natürlich von subjektiver Sichtweise und teilweise von übermächtiger, nahezu körperlich spürbarer Klangfülle geprägte Orgel-Improvisation zu bekunden.

Der 1928 gedrehte, zu den bedeutendsten französischen Werken der 20er Jahre gezählte Film wurde 1981 in Dänemark wiederentdeckt und wurde in einer bearbeiteten Fassung mit englischen und französischen Untertiteln in der Hardheimer Pfarrkirche St. Alban auf Großleinwand gezeigt.

„Der Leidensweg von Jeanne d' Arc“ ließ die Besucher die junge und verschreckt und friedvoll wirkende Frau vor einem Tribunal mächtiger Theologen mit einem englischen Bischof an der Spitze erleben, das sie mit dem Vorwurf der Ketzerei konfrontiert und mit dem Tod bedroht. Nichts mehr ist übrig geblieben von der strahlenden Heldin. Der Film, der auf historischen Prozessakten der Pariser Universität basiert, lässt Jeanne d' Arc als einfache, fromme Frau erleben, die andererseits auf die verfänglichen Frangen der hinterhältigen Theologen in erstaunlicher Weise zu antworten versteht. Fast drei Viertel des Films zeigen die Befragung Jeanne d' Arc durch die Richter.

Deren Fragen prasseln geradezu in Sturzbächen auf sie herab. Und deren Einstellung und jeweilige Reaktionen auf die Antworten der jungen Frau spiegeln sich in beeindruckender Weise in den in Großaufnahmen präsentierten höhnischen-, lauernden, drohenden und nur manchmal mitleidsvollen menschlichen Gesichtern wider. Ebenso ist zu erleben, wie die Mitglieder des Tribunals ihr grausames Spiel mit der Angeklagten treiben. Ebenso in Großaufnahme bekommt der Betrachter das Gesicht von Jeanne d' Arc zu sehen, friedvoll, ihre großen Augen angstvoll aufgerissen oder in stummer Qual leidend.

So ist es durchaus bemerkenswert, dass die eindrucksvollen Darstellungen der unterschiedlichen Charaktere großartige Schauspielkunst erkennen lässt, die die Betrachter gefühlsmäßig anzusprechen vermag. Diese bekamen den Verlauf des Prozesses gegen die Jungfrau in eindrucksvoller Weise geschildert und erlebten, wie sie dabei zunächst standhaft bleibt.

Als ihr jedoch die Folterinstrumente gezeigt werden, unterschreibt sie die geforderte Erklärung. Darin gibt sie zu, nicht in göttlichem Auftrag unterwegs gewesen zu sein, sondern dem Teufel erlegen zu sein. Das bringt ihr lebenslange Haft ein. Als sie dieses Geständnis widerruft, hat dies ihr Todesurteil zur Folge. Sie wird bei lebendigem Scheiterhaufen verbrannt. Ihr Tod löst einen Aufruhr der Bevölkerung aus, der blutig niedergeschlagen wird.

Höchst eindrucksvoll gestaltet war im Film mit großartiger Schauspielkunst die Darstellung der Charaktere und des Geschehens. Ebenso in brillianter Weise wusste Domorganist Stefan Schmidt aus Würzburg der Handlung musikalisch Ausdruck zu verleihen und die einzelnen Szenen Dank seiner einfallsreichen Gestaltungskraft an der Orgel meisterhaft zu charakterisieren, wobei er die gesamte Klangfülle und die Klangmöglichkeiten der Vleugels-Orgel zu nutzen und zur Geltung zu bringen verstand.

Die Besucher zeigten sich von der Filmqualität und er Leistung des Organisten in höchstem Maße beeindruckt und ließen sich von solcher Darstellung und Charakterisierung des grausamen Schicksals von Jeanne d' Arc auch gefühlsmäßig ansprechen. So schloss der Beifall am Ende auch den Dank an die Orgelmanufactur Vleugels und die Katholische Kirchengemeinde ein, die das Erlebnis dieses imponierenden Orgel-Kinos möglich gemacht hatte.

Für die Veranstalter verband zu Angangender Pfarrgemeinderatsvorsitzende Bernhard Berberich die Begrüßung mit Erläuterungen zum Film und zum Organisten, Domorganist Stefan Schmidt. Am 17. Februar gibt es ein Konzert unter dem Motto „Orgel & vogelstimmen“, am Freitag, 27. Kuni kommt der international bedeutsame Orgelkünstler Prof. Dr. Naji Hakim aus Paris nach Hardheim und schließlich wird das 3. Konzert mit Orgel und Saxophon gestaltet werden.

(zeg)