Würzburger Dommusik: Presseecho

Mainpost/ Volksblatt, 28.12.2007

Ein Hauch von Zerbrechlichkeit

Romantische Musik im Dom

Der Weihnachtsstress ist fast vorbei – zweiter Feiertag, 16 Uhr – da trifft man sich im Dom, um das traditionelle Weihnachtskonzert mit den Domsingknaben zu genießen. „Vom Himmel hoch“ war es diesmal überschrieben und brachte weihnachtliche Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy. Daneben waren besinnlich-stimmungsvolle Textbeiträge von Domvikar Paul Weismantel zu hören.

Domkapellmeister Martin Berger begann mit der „Ouvertüre“ aus dem Oratorium „Paulus“. Fast schwerelos, ohne schwülstige Beigaben, zelebrierte er mit dem blendend disponierten Würzburger Barockorchester den darin verarbeiteten Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“. Berger versteht unter Romantik eben nicht gewalttätigen Pomp, sondern unverfälscht, natürliches Gefühl.

Davon profitiert auch seine Interpretation der Weihnachtskantate „Vom Himmel hoch“. Er spürt den dynamischen Vorgaben des Komponisten genau, aber ohne Überzeichnung, nach, und widersteht damit dem gefährlichen Bazillus der Sentimentalität. Natürlich ist die tiefere Stimmung des Barockinstrumentariums und das vibrato-arme Spiel der Streicher bei romantischer Musik zunächst gewöhnungsbedürftig, aber dann kann man die damit gewonnene Durchsichtigkeit und auch den Hauch von Zerbrechlichkeit des Klanges genießen.

Die Domsingknaben gefallen mit ihrer genauen Reaktion, ihrer Ausgewogenheit, mit ihren leuchtenden Sopranen, aber auch mit ihren gut disponierten Männerstimmen, allenfalls reichte ihre Kraft nicht immer ganz aus, um sich gegen das Orchester durchzusetzen. Herausragender Solist war der Bariton Uwe Schenker-Primus. In tenoralen Höhen hat seine Stimme Glanz, in der Tiefe wohllautende, strömende Wärme. Bei der Gestaltung ist sein potente Stimme nie Selbstzweck, sondern beeindruckendes Mittel zur Verkündigung der Textbotschaft. Neben ihm gefällt auch die Sopranistin Elisabeth Scholl mit ihrer klaren, auch im Piano noch tragfähigen Stimme.

Eine dankbare, Aufgabe hatte die Altistin Barbara Giouseljannis in der Hymne opus 96. Im Wechsel mit dem Chor verlieh sie diesen drei Gebeten schlichte, anmutige Natürlichkeit. Interessant waren drei Nummern aus dem Oratorienfragment „Christus“, deren eindrucksvolle, hinreißend schöne Gestaltung durch Elisabeth Scholl, Domsingknaben und Orchester allenfalls Wehmut darüber, dass dieses Werk unvollendet bleiben musste, aufkommen ließ. Der begeisterte langanhaltende Beifall wurde mit einer Wiederholung des ersten Satzes aus der Weihnachtskantate belohnt.

Armin Rausche