Mainpost, 4.3.2008
Besinnliche Töne, passend zur Fastenzeit, erklangen am Sonntag im Würzburger Dom. Das Würzburger Domorchester unter der Leitung von Domkapellmeister Martin Berger hatte zu Ludwig van Beethovens einzigem Oratorium („Christus am Ölberge“) geladen – es war erstmals im Dom zu hören.
Heiko Börner (Tenor) kommt die Partie des Jesus stimmlich entgegen. Bis auf kleine Anlaufschwierigkeiten kann er mit Sicherheit und schönem piano überzeugen. Angenehmes Timbre und Leichtigkeit zeichnen die Seraph von Isolde Daum (Sopran) aus. Als Gegenpol zu Börners Piano überzeugt Uwe Schenker-
In Charles Ives' „The unanswered Question“ steht die „ewige Frage der Existenz“ bildlich im Raum. Die „fragende“ Trompete erschallt von der Kanzel, die „Antwort“ der Flöten kommt von der Orgelempore. Siebenmal schwebt die Frage über den Köpfen des Publikums, sechsmal antworten die Flöten, immer disharmonischer, bis die „Frage“ zuletzt unbeantwortet bleibt. Das ganze Stück hindurch spielen die Streicher eine langsame Folge reiner Akkorde.
Der Höhepunkt
Domchor und die Herren der Domsingknaben bestechen dann bei Anton Bruckners „Christus factus est“ a cappella durch wunderbare Klarheit und Stärke – der Höhepunkt des Nachmittags. Als viertes Werk folgt „Das Leiden Christi“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Das Oratorium „Christus“ ist unvollendet, nur Fragmente des ersten und zweiten Teils sind vorhanden. Im Würzburger Dom erklingt der zweite Teil mit der Anklage des Pontius Pilatus. Der Evangelist (Heiko Börner) ist im Wechsel mit dem Chor zu hören. Das Domorchester überzeugt durch klare Linien und angenehme Klangfarbe. Insgesamt entsteht eine perfekte Mischung aus Chor, Solisten und Orchester.