Mainpost / Volksblatt, 29.12.2008
Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium (Kantaten I-
Präzise und mit herrlichen Blech- und Holzbläserfarben sorgte das Orchester für ein ausbalanciertes Klangbild. Die Domsingknaben gefielen durch die kultivierte Wiedergabe der Choräle, wobei Berger auf einen ungekünstelten Vortrag setzte, dessen angemessene Tempi dem überwiegend zarten Flair des Würzburger Barockorchesters entgegenkamen. Die empfindlichen Knabenstimmen hatten es indes schwer, bei raschen polyphonen Stellen wie im „Ehre sei Gott in der Höhe“ mit den Männerstimmen Schritt zu halten, um ein homogenes Zusammenwirken zu erreichen.
Die wunderschöne Hirtenmusik der „Sinfonia“ zu Beginn der zweiten Kantate erklang fein bewegt als wohltuender Ruhepunkt der „Weihnachtsoper“. Auch hier staffierte Berger die Geschichte mit dosiertem Effekt aus. Da durften die Trompeten auch mal richtig blitzen, die Pauke mit trockenen Schlägen Präsenz zeigen. Die Genauigkeit der Aussprache und das überwiegend auf seidigen Klang ausgerichtete Musizieren gingen im weitläufigen Raum des Doms teilweise unter.
Die Solisten machten durchwegs einen guten Eindruck. Tenor Andreas Post konnte seine Stimme leuchtend entfalten, gestaltete die Rezitative abwechslungsreich und lebendig. Ganz locker und scheinbar leicht gelang ihm die mit Koloraturen angereicherte Bravour-
Natürliche Flexibilität
Auch Bassist Stephan Schreckenberger überzeugte, besonders in der Arie "Großer Herr und starker König“. Hinzu gesellte sich Siri ThornhilI mit ihrem anschmiegsamen, schlanken, aber in der hohen Lage für den Dom zu kleinen Sopran, der erst im Duett „Herr, dein Mitleid“ mit dem Bassisten mehr aufblühen konnte. Die nicht zu dunkel timbrierende Altistin Sonja Koppelhuber meisterte mit natürlicher Flexibilität, guter Textverständlichkeit und stilistischer Vortragssicherheit die Arien „Bereite dich Zion“ und „Schlafe, mein Liebster“.