Würzburger Dommusik: Presseecho

Mainpost, 16.03.2004

Meditation über die Kreuzigung

Bachs Johannes-Passion unter Martin Berger im Würzburger Dom.

Vom „tief empfundenen, gelebten Glauben“ des Komponisten war bei der Aufführung von Johann Sebastian Bachs Johannespassion im Würzburger Dom viel zu spüren. Domkapellmeister Martin Berger gelang mit dem Würzburger Domchor, den Solisten und dem Orchester eine mehr als zweistündige Meditation über die Gefangennahme und Kreuzigung Jesu Christi auf beeindruckend hohem musikalischem Niveau.

Das Meditative, gleichsam der Gestus des Herabsinkens, trat bereits eindrucksvoll im Orchestervorspiel zu Tage, das Martin Berger mit einem herrlichen Decrescendo abschloss. Der darauf folgende Eingangschor „Herr, unser Herrscher“ war von einem unerbittlichen Pulsieren durchzogen, als sollten die Zuhörer dadurch in Trance gesungen werden.

Das Verhältnis zwischen Chor und Orchester hatte Berger stets optimal ausbalanciert, Nie war das Orchester zu laut. Imponierend gelangen ihm die dramatischen Turba-Chöre. Scharf akzentuiert und dennoch leichtfüßig zugleich waren auch noch einige Orchesterlinien zu hören. Angesichts des langen Nachhalls im Würzburger Dom wirklich eine Meisterleistung des Dirigenten. Auch bei den Chorälen überzeugte der Domchor mit einem homogenen Klang und schöner Phrasierung. Oft wurden die Endsilben gleichsam nur „angetippt“.

Als glücklich erwies sich auch die Auswahl der Gesangssolisten. Alexander Kaimbacher imponierte mit seiner makellosen Textdeklamation der Evangelisten-Wort und sorgte mit seinem weichen Tenor auch für lyrische Momente. Mit etwas mehr Schärfe und Dramatik sang Albrecht Kludszuweit die Tenor-Arien. Mario Hoff und Günter Papendell überzeugten als Christus und Pilatus, Monika Bürgener mit den Alt-Arien. Koloraturensicher, tragfähig, klar und mit sehr schöner Höhe sang Elke Kottmair ihre Sopran-Arien. Von besonderem klangreiz war ihre Stimme in Kombination mit der Soloflöte, etwa bei der Arie „Ich folge dir gleichfalls mit freudigen Schritten“.

Höchstleistungen hatten auch die Orchester- und Continuomusiker zu vollbringen, die stets filigran mit einem schlanken Klang begleiteten. So hatte die Aufführung überhaupt nichts Schwerfälliges an sich. Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion wurde im Würzburger Dom zum eindrucksvollen Erlebnis. Und nach einigen Minuten der Stille, zu denen eine Glocke läutete, gab es von den Zuhörern im voll besetzten Dom langen Beifall.

Roman Kocholl