Würzburger Dommusik: Presseecho
Volksblatt, 20.10.2004
Eine Stunde Jubel in hellsten Dur-Klängen
Konzert zum Stadtjubiläum im Kiliansdom
Vertrauen und Lobgesang auf Gott ergänzten sich textlich und musikalisch auf betörende Weise im Konzert anlässlich der 1300-Jahr-Feier Würzburgs im gut besuchten Kiliansdom.
Mendelssohn Bartholdys Vertonung des Psalm 42 „Wie der Hirsch schreit“ verbreitet viel Zuversicht. Das religiöse Rezept für eine betrübte Seele ist einfach: „Harre auf Gott!“ Und diese Empfehlung erfüllt sich mit Dank in der Musik Mendelssohns, deren ungestörter Fluss, deren Schönheit der Melodik und Ausdruck der Empfindung sich eng an den Text halten, und deren Emphase in der beeindruckenden Wiedergabe durch den Würzburger Domchor, den Herren der Domsingknaben, der Mädchenkantorei des Würzburger Doms und dem Würzurger Domorchester unter Martin Berger sich keinerlei Übertreibungen gestattete.
Mendelssohns Sinfonie Nr.2 B-Dur „Lobgesang“ op.52 hört man im Vergleich zu seiner Reformations-Symphonie, zur „Schottischen“ und „Italienischen“ verhältnismäßig selten. Das mag am größeren Aufwand mit Chor und Solisten liegen und am religiösen Anspruch, der in einem Konzertsaal offenbar weniger stark befriedigt werden kann. Der Domchor befand sich am Sonntag im Dom in einer wohlpräparierten Form, was Zusammenklang und den rechten Affekt betraf, den diese Musik in ausgewogener Form wiedergibt. Mendelssohns Frömmigkeit äußert sich in stiller Demut und inniger Ergebenheit, was nicht bedeutet, dass bei diesem beeindruckenden Konzert leidenschaftlichere Ausbrüche und kraftvolle Akzente unterbelichtet geblieben sind.
Der Domkapellmeister verlieh dem Chor melodische Würde und Leuchtkraft, ohne ins Sentimentale abgeglitten oder gar ins grelle Licht geführt worden zu sein. Berger wütete nicht mit wilden Bewegungen um sich, baute auf die Kraft der Worte, ohne gekünstelten Heiligenschein, billigte keinen hauchzarten Schöngesang, sondern Lob aus voller Kehle in dieser weder langweiligen noch blutarmen Art Kirchenmusik. Als einfühlsamer Chorleiter hat Berger die Klang-sinnlichkeit Mendelssohns schön herausgearbeitet, und auch der sinfonische Beitrag des Orchesters profitierte vom Farbenspiel der Instrumentation und vom präzisen Hineinhören des Dirigenten in das Nervengeäst der Partitur.
Man konnte deshalb eine volle Stunde hellsten Jubels in Dur-Klängen leicht ertragen, zumal die euphorischen Jubelhymnen nur hier und da vom lautstärkeren Orchester übertönt wurden, die Aussprache des Chores darunter an Deutlichkeit litt, ein allbekanntes Problem der Raumakustik dieses Doms.
Wie wunderschön rein und himmlisch schön ertönte etwa der a-capella-Gesang der ersten Strophe des „Nun danket alle Gott!“ Da vernahm man auch noch feinere Zwischentöne im klaren Fluss der vorwärtsdrängenden Melodien. Die Sopranistinnen Birgit Ströbel-König, Susan Hagel und Mi-Young Kang sowie der Tenor Hans-Jörg Mammel waren den Ansprüchen des Hauptwerkes stimmlich und interpretatorisch voll gewachsen.
Klaus Linsenmeyer