„Ein monumentales Gemälde" nennt Pater Philipp Meyer die „Matthäus-Passion“ von Johann S. Bach. Den dramatisch-epischen, in Töne gefassten Bericht vom Leiden und Sterben Jesu dirigierte der Kantor und Chordirektor der Abtei Maria Laach im ersten Teil, den zweiten Teil übernahm der Würzburger Domkapellmeister Alexander Rüth.
Philipp Meyer hatte den von ihm gegründeten Kammerchor „Cappella Lacensis“ mitgebracht, der sich problemlos zwischen die Mitglieder des Kammerchors am Würzburger Dom stellte. Beide Chöre, Domsingknaben und Solisten stimmten die Zuschauer im voll besetzten St. Kiliansdom mit großer Intensität auf die bevorstehende Karwoche ein. Mit den Chorälen, den Berichten des Erzählers und mit meditativen Arien gelang es Sängerinnen und Sängern, mit Tönen zu berühren.
Schon der Beginn, die Chorgesänge „Kommt, ihr Töchter“, und das eingesungene „O Lamm Gottes“ verbreiten Trauer und Schwermut. Nicht frömmelnd, statt dessen eindringlich und sich einer breiten Palette an Farben und Gestaltung bedienend verströmen die Sängerinnen und Sänger hier und in den Chorälen die ganze Fülle, die der Komponist in sein umfangreichstes Werk gelegt hat.
Meyer führt Sängerinnen, Sänger und das Concerto München, das in perfekter Harmonie und Hingabe den instrumentalen Boden legt, mit weichen Bewegungen. Hinter dem Orchester, also vor den Chören, stehen Tenor Martin Platz, Sopranistin Anna-Lena Elbert, Bass Jakob Ewert und zeitweise auch Altus Jan Jerlischka. Bass David Jerusalem ist vor dem Orchester platziert.
Martin Platz in der Rolle des Evangelisten berichtet vom Abendmahl, vom Gebet in Gethsemane und von der Gefangennahme Jesu. Mit kontrastreicher Stimme und akzentuierter Aussprache, gelingt es ihm, die Spannung von Anfang bis Ende zu halten. Die Arie „Ich will bei meinem Jesus wachen“ oder die von der Gambe begleitete Arie „Geduld“ zeugt von seiner Qualität als Solo-Tenor. Eindrucksvoll und innig zu Geigen und Flöten die Arie „Blute nur, du liebes Herz“, von Anna-Lena Elbert mit tragender, in der Höhe klarer Stimme vorgetragen. Unpretentiös, deutlich in der Diktion der klare Bass von Jakob Ewert, der mit Würde und gut geführter Stimme die Rolle von Jesus übernimmt.
Gut verständlich, mit weichem, elegischen Klang gestaltet Altus Jan Jerlitschka „Buß und Reu“, herzzerreißend und flehend sein „Erbarme dich“ zur Solo-Geige. Mit voluminöser Stimme gehört auch David Jerusalem, dessen Arie „Mache dich, mein Herze, rein“ besonders gefällt, zum Solistenteam, dessen Stimmfärbungen harmonisch zusammenpassen.
Den zweiten Teil, in dem es um Verhöre, Kreuzigung und Grablegung geht, steht Alexander Rüth mit der von ihm bekannten Dynamik und Präzision am Pult. Wenn unter seinem Dirigat die Chöre den Schrei „Barrabam!“ ausstoßen, dann geht das durch Mark und Bein. Und wenn der Schlusschor „Wir setzen uns in Tränen nieder“ intoniert, dann werden dankbare Demut und tiefe Frömmigkeit spürbar.

