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Architektur im kirchlichen Kontext ist in besonderer Weise spannend, denn Bauen im kirchlichen Umfeld bedeutet immer auch Gemeindebau. Dies trifft in besonderer Weise zu, wenn die Zielgruppe, für die ein Umbau erfolgt, sich in den zu errichtenden Räumen fast ausschließlich mit der Auseinandersetzung mit geistlicher Musik beschäftigt - und in der überwiegenden Mehrzahl aus jungen Menschen besteht.
Räume prägen Menschen, ganz besonders prägen sie junge Menschen. Räume, die ein Umfeld von Verkündigung und gelebtem Glaubenszeugnis beherbergen, dürfen daher nie geistlos wirken, sie sind als Räume kirchlichen Lebens und kirchlicher Aktivität gleichsam geschützte Räume - so wie der Gottesdienst geschützte Zeit ist.
Solche Räume sollen Wege aufzeigen, Fragen stellen, Antworten erahnen lassen, neugierig machen - und damit dem Menschen auch im übertragenen Sinne "Raum geben". Architektur im kirchlichen Bereich bedarf deshalb immer wieder der Abgrenzung zum Profanen, damit sich das Spirituelle entfalten und Menschen auch jenseits des offensichtlichen beeinflussen kann.
Damit berührt die architektur das Wesen von Kunst im Allgemeinen. Neben leicht fassbaren, technisch-musikalischen Aspekten wie Intonation, Melodik, Rhythmik und Harmonik entfaltet sich der eigentliche Inhalt eines Werkes für den Menschen, der singt, in erster Linie in der persönlichen Auseinandersetzung: "Das wichtigste in der Musik steht nicht in den Noten", stellt cshon Gustav Mahler fest.
Somit war es Aufgabe an die Verantwortlichen, Räume zu erfinden, die für diese Auseinandersetzugn eine Visualisierung und eine Korrespondenz entwickeln, die zum eigentlichen Wesen der Musik führen kann.
Mit den neugestalteten Räumen der Würzburger Dommusik ist dies in besonderer Weise gelungen - sie sind für alle, die sie nutzen, eine ideale Synthese von Funktionalität und Ästhetik.
Dank des jahrelangen Engagements von Weihbischof em. Helmut Bauer und dem Würzburger Domkapitel, dem Kunstsinn und-sachverstand von Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen und der architektonisch herausragenden Verwirklichung durch Diözesanbaumeister Cesare Augusto Stefano und seines vortrefflichen Teams entstand ein Konzept, in dem Funktionalität, Klang, Kunst und Architektur sich gegenseitig bedingen.
Ein klug durchdachtes funktionales Prinzip eröffnet Probemögichkeiten, die sich in Deutschland selten finden lassen und die im Bereich der deutschen Kirchenmusik sicher beispielgebend sein können.
Wer die Räume der Würzburger Dommusik betritt, erfährt Weite und Offenheit, die Architekur gibt Raum und in Verbindung mit der zeitgenössischen Kunst eröffnet sie dem singenden Menschen eine visuelle Entsprechung zu dem, was die klingende Kunst ästhetisch von ihm fordert.
Woran erkennt man aber "gute" Architektur? Sicherlich an objektiv nachprüfbaren Qualitätskriterien, viel mehr aber wohl eher daran, dass sich Menschen in Gebäuden oder Räumen wohl fühlen. Die Architektur der Würzburger Dommusik ist eine ganzheitliche, sie wirkt über ihre funktionalen und technischen Qualitäten hinaus und stellt den musizierenden Menschen in ihren Mittelpunkt und damit vor Gott.
Prof. Martin Berger, Domkapellmeister (2009)
Beitrag in: Bau- und Kunstreferat der Diözese Würzburg (Herausgeber): Architektur der Gegenwart in der Diözese Würzburg. Exerzitienhaus Himmelspforten. Würzburger Dommusik. Band 1. 2009. (Gekürzt um die Passagen über das Exerzitienhaus Himmelspforten).
Die Domsepultur, eien schöne spätgotische Halle, betritt man, wie den ehemaligen Domkapitelsaal, über den Domkreuzgang. Der stimmungsvolle Kreuzgang wurde zwischen 1423-1453 von Wolfram v. Königsberg errichtet, dort versammelte sich in alter Zeit das "Kreuzgangsgericht" und die Domschüler hatten dort ihre Schule.
Über die barocke Treppe erreicht man das obere Stockwerk, das vor der Zerstörung im 2. Weltkrieg einst als Domkapitelsaal, dann als Musiksaal diente. Antonio Petrini war der baumeister.
Nach dem Krieg baute Dombaumeister Hans Schädel das Gebäude in einer neu-romanischen Architektursprache wieder auf. Als Ausdruck dieser Sprache gilt der rheinische Stützenwechsel der Fassade zum Paradeplatz hin. Also Ursprung und Fortschritt aber auch Niedergang haben ihre Spuren in den Gebäuden hinterlassen.
Heute ist das Gebäude, nach dem Umbau, von zwei Seelen belebt, die eine archaisch im kleinen Probesaal, die andere barock/organisch im restlichen Gebäude. (Musikalisch ein Kontrapunkt).
Wenn man einmal den rechten Winkel verlässt und in die gefährlichen Gewässer der Emotionen und Gefühle eintaucht, dann muss man diese in ein Format bringen, die Formen müssen unter Kontrolle gehalten werden; dazu hat das gotische Raster der Sepultur gedient, das hier zeichnerisch nachgewiesen worden ist.
Das Raster basiert auf der bekannten Figur der Gotik, nämlich einem gleichseitigen Dreieck. Auf dieses Raster reagieren neue Formen oder besser gesagt eine Grundform, die Ellipse, die die Räume bestimmt. Sie suggeriert Unendlichkeit, bringt neue Töne ein, wirkt einmal mit der Stimme eines Tenors einmal mit der einer Sopranistin.
Nachdem die Einbauten des ehemaligen Diözesanarchivs zurückgebaut wurden, blieb als Basis für den Entwurf die rechteckige Raumhülle mit ihrem gotischen gleichseitigen Dreiecksraster. Diese Hülle bildete schließlich die Grenze zur Stadt Würzburg, die heute wie im Postkartenformat in die neuen Räume hineinschaut.
Die Spannung Vernuft und Gefühl, der Bezug zur Stadt, die hier Einzug hält und der Versuch, Musik sichtbar zu machen, sind die Themen der neuen Konzeption.
Wie eine Konstante treten viele Denkmäler der Stadt Würzburg in die neuen Räume ein, z.B. der Dominnenhof, die Neubaukirche, das Käppele, die Festung, der Grafeneckartturm, die Domwesttürme und, durch ein Oculus, schaut der Giebel des Domquerschiffes in den Raum hinein.
Das Oculus baut Identifikation, in Form einer vertrauten Zugehörigkeit, zum Hohen Dom zu Würzburg auf.
Der Flur in seiner bewegten Form suggeriert einen Blick wie ins Innere eines Musikinstrumentes, eine Art anatomische Betrachtung der Musik. Verdeutlicht wird dies mit dem Spiel Konkav-Konvex der Wände, die wie das Atmen der Sänger einmal komprimiert werden und dann die Luft entweichen lassen.
Wie ein Sog aus dem Flur entwickelt sich ein Flügel, der auf den großen Saal deutet und hinein begleitet. Seine Bewegung, die bei der Orgel endet, trägt die Geometrie einer Spirale, und gespannt wie die schützende Hand Gottes über den vielen Kindern, die hier singen, bleibt er unterhalb einer Kuppel aus 12 Trapezen aus Metallgewebe. Die Nachhallzeit beträgt 0,8-0,9 Sekunden.
Drei Stimmbildungszimmer, Notenarchiv, Gewänderraum, Musikalischer Früherziehungsraum, Aufenthaltsraum und die funktionalen Räume erfüllen mit den beiden Sälen das Raumprogramm. Das Gebäude ist klimatisiert, die entsprechenden Maschinen sind im Dachraum untergebracht. Die Kunst tritt hier, ähnlich wie in Himmelspforten, in Dialog mit der Architektur.
Die Neugestaltung der Dommusik ist von Liebe geprägt, daran sind die Hände, das Herz und das Können von vielen Firmen zu erkennen, auf die wir sehr stolz sind, zumal wir wissen, dass in der Bischofsstadt noch die alte handwerkliche Tradition gepflegt werden kann.
Der Wille der Diözese Würzburg, gerade in diesen Zeiten, Geld für Bildung, Kultur und Kunst zu investieren, setzt somit einen Akzent, der den unverwechselbaren Klang der Hoffnung trägt.
Cesare Stefano, Diözesanbaumeister (2009)
Beitrag in: Bau- und Kunstreferat der Diözese Würzburg (Herausgeber): Architektur der Gegenwart in der Diözese Würzburg. Exerzitienhaus Himmelspforten. Würzburger Dommusik. Band 1. 2009. (Gekürzt um die Passagen über das Exerzitienhaus Himmelspforten).
Die Besucher der Räume der Würzburger Dommusik über der Sepultur des Domes nehmen schon beim Betreten der Einrichtung mit einem Blick zur Decke des Eingangsbereiches ein Deckenbild wahr: das Werk "Harmonia Mundi" von Michael Triegel dokumentiert in ihrer Thematik den Ortsbezug zur Musik.
Über diese inhaltlichen Bezüge hinaus verweist das Deckenbild zugleich auf ein Konzept, das auf eine Symbiose von Architektur und Kunst abzielt, auch und gerade auf ein Miteinander von einer Architektur vergangener Stilepochen und Werken zeitgenössischer Kunst. Dieser Dialogprozess von Architektur und Kunst, der zugleich Bestimmung und Nutzung der Räumlichkeiten miteinbezieht bzw. darauf abzielt, deren Funktion in besonderer Weise bewusst werden zu lassen, prägt das Erscheinungsbild der Räume der Dommusik und trägt zu ihrer Authentizität wesentlich bei. Für das in den Räumen erlebbare Gegenüber von Nutzer und Kunstwerken, sowie für die Zielsetzung der Institution hat das genannte Deckenbild Schlüsselfunktion und erschließt schon eingangs sein inhaltliches Programm.
Eine Symbiose von Kunst und Architektur, die sich den Angeboten der Räume dienend zur Seite stellt - von dieser Absicht ist die Gestaltung der Räume der Dommusik über der Sepultur des Domes bestimmt. Was in ihr erklingt, soll seinen Widerhall und äußeren Ausdruck in den dort vorfindbaren Kunstwerken finden. Musik materialisiert sich dort in Plastiken, Gemälden und Zeichnungen, um dadurch sichtbar zu machen, dass Musik Gestalt gebende Kraft besitzt und die Bemühungen, sie zum Erklingen zu bringen, mit denen vergleichbar sind, sich den Werken der bildenden Kunst anzunähern und diese sich zu erschließen.
Bei der mir aufgetragenen künstlerischen Ausstattung der Räume der Dommusik wurde diese Analogie ebenso bedacht wie eine Harmonie mit den Räumen. So fanden in dem barocken Proberaum, dessen Wand- und Deckenputz abgenommen wurde, so dass das blanke Mauerwerk zu Tage trat, zwei Plastiken von Tanzenden aus Eisen von Karlheinz Oswald (Lugano) ihre Aufstellung, deren Farbigkeit der des Mauerwerkes ebenso entspricht wie deren Bewegung der Abfolge einer Melodie. In diesem Raum kam zugleich ein Gemälde von Jacques Gassmann mit der Darstellung des Corpus Jesu am Kreuz zum Hängen. Auch seine Farbigkeit entspricht der des vom Verputz befreiten Raumes und verbindet sich so mit ihm.
In den neuen, im melodischen Schwung angelegten Räumen finden sich Werke von Ursula Flach (Köln) und Barbara Schaper-Oeser (Würzburg), die ebenfalls die Funktion der Rumlichkeiten aufgreifen und zugleich der architektonischen Sprache entsprechen, während im Aufgang vom Kreuzgang zur Dommusik ein Werk von Herbert Mehler (Riedenheim) zur Aufstellung kam, das in der Achse seiner drei Arbeiten im Kreuganginnenhof steht und so die Wechselbeziehung von Innen und Außen ebenso wahrnehmen lässt wie es die architektonischen Sichtachsen durch die Fensteröffnungen der Räume der Dommusik tun.
In der Gestaltung der Räume lässt sich ein Konzept erkennen, das von dem Willen geleitet ist, der bildenden Kunst in ihren Werken die Möglichkeit zu geben, die jeweilige Funktion zu begleiten und zu bestärken sowie zuvorderst die Bereitschaft zu einer Teilhabe an der Zielsetzung dieser Einrichtung der Diözese Würzburg zu wecken.
Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen, Bau und Kunstreferent der Diözese Würzburg (2009)
Beitrag in: Bau- und Kunstreferat der Diözese Würzburg (Herausgeber): Architektur der Gegenwart in der Diözese Würzburg. Exerzitienhaus Himmelspforten. Würzburger Dommusik. Band 1. 2009. (Gekürzt um die Passagen über das Exerzitienhaus Himmelspforten).